Ausstellungsansicht – GLÄNZT
Preisträgerinnen der Werner Pokorny Stiftung
Q-Galerie, Schorndorf, 2022
Exhibition view—GLÄNZT
Prizewinners of the Werner Pokorny Foundation
Q-Gallery, Schorndorf, 2022





Ein Sprecher und ein Zuhörer, 2022
Kinetische Installation (Stoff, Motor, Metall, Glocken)
Zeichnung (Tusche, Bleistift, Kohle, Aquarell auf Papier)
29.7 × 20 cm
Fotofragie von Suah Im
A Speaker and a Listener, 2022
Kinetic installation (fabric, motor, metal)
Drawing (ink, pencil, charcoal, watercolor on paper)
29.7 × 20 cm
Photography by Suah Im
DE)
Vorhang auf: zwei unterschiedlich große kegelförmige Figuren, eingehüllt in orangen Stoff wirbeln durch den Ausstellungsraum. Riesige Ohren, ein großer Mund und eine lange Zunge, die gleichzeitig zu Händen umfunktioniert wird. Durch die raschen Umdrehungen, die grellen Farben und ihre monumentale Größe machen die Figuren auf ihre Präsenz aufmerksam und lassen uns als Betrachter*innen in ihr Spiel eintauchen.
Ein abstraktes Puppentheater? In Suah Ims Händen wird die eingangs beschriebene Inszenierung zu einer vielschichtigen Darbietung kommunikativen Austauschs. Die Figuren spielen in ihrer Arbeit Ein Sprecher und ein Zuhörer (2022) die Rollen südkoreanischer Dorfwächter, die so genannten Jang Seung, die dort ursprünglich in Form von Totempfählen aus Holz die Eingänge alter Dörfer und Tempel bewachten. Diese wurden traditionell aufgestellt, um die im Dorf lebende Gemeinschaft vor bösen Geistern zu schützen und gleichzeitig eine Trennung zwischen Innen und Außenvorzunehmen.(Zugehörigkeit) Als Wegweiser und Schutzgottheiten zugleich symbolisieren die kinetischen Puppen nun die Schöpfung eines utopischen Raums, der vor allem durch die Isolation und die Sicherheit vor der Außenwelt entsteht. Der utopische Entwurf samt der dazugehörigen Vorstellung eines Schutzraums wird von Suah Im in ihrer Installation genutzt, um zu hinterfragen, wie ideale Gesellschaften und Lebensbedingungen aussehen können.
Die ungleiche Rollenverteilung der Puppen, die vor allem durch ihre Größe verdeutlicht wird, zielt nichtsdestotrotz auf eine grundlegend offene Haltung der Handelnden ab: die große Puppe, der Sprecher, weist mit der überlangen Zunge und den ausgestreckten Händen den Weg. Währenddessen übernimmt die kleinere Puppe mit großen Ohren die Rolle des wachsamen Zuhörers, der seine Anwesenheit zudem durch die am Kopf befestigten Glöckchen ankündigt. Indem die beiden Dorfwächter miteinander interagieren und eine sich ergänzende Beziehung eingehen, wird spielerisch ein Raum eröffnet, in dem in Form eines Rollenspiels über verschiedene Lebensräume nachgedacht werden kann.
(Entstanden während der Corona Pandemie Sehnsucht/Wunsch nach persönlichem Schutzgott)
Beeinflusst von verschiedenen kulturellen Traditionen, werden in Suah Ims Installation verschiedene Referenzen vorgenommen. Die überzeichneten Gesichter mit ihren großen Ohren oder Mund sind in Anlehnung an die aus Holz geschnitzten Gesichter der Jan Seung zu verstehen, die orangefarbenen Kutten der Puppen sind in ihrer Farbgebung inspiriert von den Gewändern buddhistischer Mönche und in den hinter der Installation befindenden Zeichnungen lassen sich biblische Szenen wiederfinden.
Text von Pia Gottschalk
EN)
Curtain up: two cone-shaped figures of different sizes, wrapped in orange fabric, whirl through the exhibition space. Huge ears, a large mouth, and a long tongue that simultaneously functions as hands. Through their rapid spinning, vivid colors, and monumental scale, the figures assert their presence and draw us, as viewers, into their play.
An abstract puppet theatre? In Suah Im’s hands, the scene described above becomes a multilayered performance of communicative exchange. In her work A Speaker and a Listener (2022), the figures assume the roles of South Korean village guardians, the so-called Jangseung, which originally stood as wooden totem poles at the entrances of old villages and temples. Traditionally, these figures were erected to protect the community from evil spirits while also marking a boundary between inside and outside—between belonging and exclusion. As both signposts and protective deities, the kinetic puppets here come to symbolize the creation of a utopian space, one that is shaped above all by isolation and safety from the outside world. Suah Im uses this utopian proposition, together with the associated idea of a protected space, to question what ideal societies and conditions of life might look like.
At the same time, the unequal distribution of roles between the puppets—most visibly articulated through their difference in scale—points toward a fundamentally open stance on the part of the performers. The larger puppet, the speaker, indicates the way with its overlong tongue and outstretched hands. Meanwhile, the smaller puppet, with its oversized ears, takes on the role of the vigilant listener, announcing its presence through the small bells attached to its head. As the two village guardians interact and enter into a complementary relationship, they playfully open up a space in which different forms of living and different kinds of social environments can be reflected upon through role-play.
Created during the COVID-19 pandemic, the work also conveys a longing for a personal protective deity.
Influenced by various cultural traditions, Suah Im’s installation brings together multiple references. The exaggerated faces, with their oversized ears and mouths, can be understood as echoing the carved wooden faces of the Jangseung. The orange robes of the puppets take their chromatic inspiration from the garments of Buddhist monks, while the drawings placed behind the installation contain references to biblical scenes.
Text by Pia Gottschalk
Ausstellungsansicht – GLÄNZT
Preisträgerinnen der Werner Pokorny Stiftung
Q-Galerie, Schorndorf, 2022
Exhibition view—GLÄNZT
Prizewinners of the Werner Pokorny Foundation
Q-Gallery, Schorndorf, 2022





Ein Sprecher und ein Zuhörer, 2022
Kinetische Installation (Stoff, Motor, Metall, Glocken)
Zeichnung (Tusche, Bleistift, Kohle, Aquarell auf Papier)
29.7 × 20 cm
Fotofragie von Suah Im
A Speaker and a Listener, 2022
Kinetic installation (fabric, motor, metal)
Drawing (ink, pencil, charcoal, watercolor on paper)
29.7 × 20 cm
Photography by Suah Im
DE)
Vorhang auf: zwei unterschiedlich große kegelförmige Figuren, eingehüllt in orangen Stoff wirbeln durch den Ausstellungsraum. Riesige Ohren, ein großer Mund und eine lange Zunge, die gleichzeitig zu Händen umfunktioniert wird. Durch die raschen Umdrehungen, die grellen Farben und ihre monumentale Größe machen die Figuren auf ihre Präsenz aufmerksam und lassen uns als Betrachter*innen in ihr Spiel eintauchen.
Ein abstraktes Puppentheater? In Suah Ims Händen wird die eingangs beschriebene Inszenierung zu einer vielschichtigen Darbietung kommunikativen Austauschs. Die Figuren spielen in ihrer Arbeit Ein Sprecher und ein Zuhörer (2022) die Rollen südkoreanischer Dorfwächter, die so genannten Jang Seung, die dort ursprünglich in Form von Totempfählen aus Holz die Eingänge alter Dörfer und Tempel bewachten. Diese wurden traditionell aufgestellt, um die im Dorf lebende Gemeinschaft vor bösen Geistern zu schützen und gleichzeitig eine Trennung zwischen Innen und Außenvorzunehmen.(Zugehörigkeit) Als Wegweiser und Schutzgottheiten zugleich symbolisieren die kinetischen Puppen nun die Schöpfung eines utopischen Raums, der vor allem durch die Isolation und die Sicherheit vor der Außenwelt entsteht. Der utopische Entwurf samt der dazugehörigen Vorstellung eines Schutzraums wird von Suah Im in ihrer Installation genutzt, um zu hinterfragen, wie ideale Gesellschaften und Lebensbedingungen aussehen können.
Die ungleiche Rollenverteilung der Puppen, die vor allem durch ihre Größe verdeutlicht wird, zielt nichtsdestotrotz auf eine grundlegend offene Haltung der Handelnden ab: die große Puppe, der Sprecher, weist mit der überlangen Zunge und den ausgestreckten Händen den Weg. Währenddessen übernimmt die kleinere Puppe mit großen Ohren die Rolle des wachsamen Zuhörers, der seine Anwesenheit zudem durch die am Kopf befestigten Glöckchen ankündigt. Indem die beiden Dorfwächter miteinander interagieren und eine sich ergänzende Beziehung eingehen, wird spielerisch ein Raum eröffnet, in dem in Form eines Rollenspiels über verschiedene Lebensräume nachgedacht werden kann.
(Entstanden während der Corona Pandemie Sehnsucht/Wunsch nach persönlichem Schutzgott)
Beeinflusst von verschiedenen kulturellen Traditionen, werden in Suah Ims Installation verschiedene Referenzen vorgenommen. Die überzeichneten Gesichter mit ihren großen Ohren oder Mund sind in Anlehnung an die aus Holz geschnitzten Gesichter der Jan Seung zu verstehen, die orangefarbenen Kutten der Puppen sind in ihrer Farbgebung inspiriert von den Gewändern buddhistischer Mönche und in den hinter der Installation befindenden Zeichnungen lassen sich biblische Szenen wiederfinden.
Text von Pia Gottschalk
EN)
Curtain up: two cone-shaped figures of different sizes, wrapped in orange fabric, whirl through the exhibition space. Huge ears, a large mouth, and a long tongue that simultaneously functions as hands. Through their rapid spinning, vivid colors, and monumental scale, the figures assert their presence and draw us, as viewers, into their play.
An abstract puppet theatre? In Suah Im’s hands, the scene described above becomes a multilayered performance of communicative exchange. In her work A Speaker and a Listener (2022), the figures assume the roles of South Korean village guardians, the so-called Jangseung, which originally stood as wooden totem poles at the entrances of old villages and temples. Traditionally, these figures were erected to protect the community from evil spirits while also marking a boundary between inside and outside—between belonging and exclusion. As both signposts and protective deities, the kinetic puppets here come to symbolize the creation of a utopian space, one that is shaped above all by isolation and safety from the outside world. Suah Im uses this utopian proposition, together with the associated idea of a protected space, to question what ideal societies and conditions of life might look like.
At the same time, the unequal distribution of roles between the puppets—most visibly articulated through their difference in scale—points toward a fundamentally open stance on the part of the performers. The larger puppet, the speaker, indicates the way with its overlong tongue and outstretched hands. Meanwhile, the smaller puppet, with its oversized ears, takes on the role of the vigilant listener, announcing its presence through the small bells attached to its head. As the two village guardians interact and enter into a complementary relationship, they playfully open up a space in which different forms of living and different kinds of social environments can be reflected upon through role-play.
Created during the COVID-19 pandemic, the work also conveys a longing for a personal protective deity.
Influenced by various cultural traditions, Suah Im’s installation brings together multiple references. The exaggerated faces, with their oversized ears and mouths, can be understood as echoing the carved wooden faces of the Jangseung. The orange robes of the puppets take their chromatic inspiration from the garments of Buddhist monks, while the drawings placed behind the installation contain references to biblical scenes.
Text by Pia Gottschalk
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